Radsportler des Jahres 2020

  • Ich dachte, ich poste mal meinen Rückblick auf die Radsportsaison. Welche Fahrer sind euch positiv oder negativ aufgefallen? :)


    Stärkste Fahrer:


    1. Wout van Aert: Ein Jahr, wie man es im modernen Radsport selten gesehen hat. Sieger von Strade Bianche, Milano-San Remo, 2. bei beiden WM-Rennen und der Flandernrundfahrt und der mMn stärkste Fahrer der Tour de France mit 2 Etappensiegen und einer Weltklasseleistung auf jedem Terrain. Ich bin ein mega Fan und freue mich auf die nächsten Jahre mit ihm.

    2. Primoz Roglic: Dass er Gelb so kurz vor Paris abgeben musste, schmerzt. Aber die Art und Weise, wie er L-B-L gewonnen hat, bei der WM vorne mit dabei war und dann die Vuelta mit 4 Etappensiegen für sich entschieden hat, zeugt von großer Nervenstärke. Ich traue ihm den Toursieg auch nächstes Jahr auf jeden Fall zu.

    3. Tadej Pogacar: Er ist nur deshalb 3., weil er nach Paris seine Saison fast beendet hat. Aber was für ein Tourdebüt. Sein Zeitfahren nach La Planche des Belles Filles ist eine der denkwürdigsten Leistungen, die ich gesehen habe. Noch dazu bewies er heuer sein Potential für die Klassiker. Limits gibt es für Pogacar keine.

    4. Mathieu van der Poel: Für seine Verhältnisse war das Jahr bis zur Ronde fast enttäuschend. Das spricht nicht gegen seine Leistungen, sondern für die unglaublich hohen Erwartungen, die man an ein Supertalent wie ihn hat. Aber mit dem Sieg bei der Flandernrundfahrt und Vintage Solofahrten bei den Niederländischen Meisterschaften und der Binck Bank Tour hat er für einige der besten Momente der Saison gesorgt.

    5. Filippo Ganna: Hier könnte auch Alaphilippe stehen, aber seine Saison war trotz WM-Titel weniger außergewöhnlich als das, was Ganna lieferte. Es ist eine Sache, Zeitfahren zu gewinnen. Es ist eine andere Sache, mit einer derartigen Dominanz die Konkurrenz zu distanzieren. Noch dazu stellte er einen Fabelweltrekord über die Einerverfolgung auf und bewies beim Giro auch seine Kletterfähigkeiten. Ein klasse Typ.


    Enttäuschungen der Saison:


    1. Elia Viviani: Vor 2 Jahren war er für mich noch der Fahrer der Saison mit 17 Siegen. Heuer habe ich phasenweise vergessen, dass er bei Tour und Giro dabei war. Er und Cofidis haben dringenden Handlungsbedarf

    2. Greg van Avermaet: Spielte vor seinem Sturz bei L-B-L weder bei Eintagesrennen noch bei der Tour eine Rolle. Die Zeit läuft ihm davon, ich würde ihm den Ronde-Sieg gönnen, aber gegen van Aert und van der Poel wird das mit 35 beinahe ein Ding der Unmöglichkeit.

    3. Ivan Sosa: Nach seinem kometenhaften Aufstieg unter Gianni Savio dachte ich schon, dass da der nächste Bernal kommt. Aber abgesehen vom obligatorischen Sieg bei der Burgos-Rundfahrt kam da echt gar nichts. Bin gespannt, ob der Durchbruch noch kommt.

    4. Fernando Gaviria: Einst war er für mich der aufregendste Sprinter der Welt. Das fühlt sich mittlerweile wie eine Ewigkeit her an. Er gewann kleinere Rennen, aber beim Giro war er völlig abgemeldet.

    5. Dylan Teuns: Seit dem Neustart der Rennsaison mit keinem nennenswerten Ergebnis. Ich hoffe, dass er nächstes Jahr zu alter Form zurückfindet.


    Auch Sagan und Nibali habe ich in Erwägung gezogen, aber dafür haben sie doch zu viel gewonnen, wenn auch nicht für ihre Verhältnisse.


    Team des Jahres


    Jumbo-Visma: Ganz klare Wahl nach einer Saison, in der sie Ineos als das stärkste GT-Team abgelöst haben. Aber auch Quickstep und Sunweb haben mich heuer beeindruckt. Die große Enttäuschung war Movistar mit 2 Saisonsiegen. NTT und CCC waren für mich zu dysfunktional, um eine echte Enttäuschung zu sein.


    Aufsteiger der Saison (ohne Fahrer, die bei den stärksten genannt wurden):


    1. Marc Hirschi: Was für eine Saison! Nach van Aert der unterhaltsamste Fahrer der Tour mit einem denkwürdigen Solo, einem tollen Etappensieg und starken Leistungen bei WM und in den Ardennen. Er ist endgültig vom Supertalent zum Superstar geworden.

    2. Tao Geoghegan Hart: Wer hätte vor dem Giro auf ihn als Sieger getippt? Eine ganz starke Leistung und ein weiterer GT-Sieger für Ineos.

    3. Joao Almeida: Ich habe an sein Talent geglaubt. Aber dass er so gut sein wird, hätte ich nie gedacht. Ein starker Edelhelfer für Evenepoel und ein unglaublicher Giro, bei dem einzig ein Etappensieg gefehlt hat. Ich freue mich auf seine Saison 2021.

    4. Jai Hindley: Der 3. Giro-Fahrer in dieser Liste. Wuchs in der 3. Woche über sich hinaus und hätte sich den Sieg genauso wie Hart sehr verdient.

    5. Aleksandr Vlasov: Erfüllte sein Potential in seiner ersten WT-Saison eindrucksvoll. Viele gute Ergebnisse, nur beim Giro lief es nicht nach Plan. Ich denke, dass die Route ihm mehr lag als die Vuelta. Mit ihm hat Astana einen würdigen Nachfolger für Lopez.


    Tragische Helden:


    1. Remco Evenepoel: Jemanden als tragischen Helden zu bezeichnen, der alleine 2020 mehr gewann, als viele in ihrer Karriere, ist normalerweise nicht angebracht. Aber der Sturz bei Il Lombardia brachte eine Saison vorzeitig zu Ende, in der er mMn den Giro und einige andere Rennen noch gewonnen hätte. Nächstes Jahr wird er hoffentlich zurückschlagen können.

    2. Julian Alaphilippe: Ja er wurde Weltmeister. Aber bei L-B-L vorzeitig zu jubeln (und relegiert zu werden) und bei der Ronde aus der Führungsgruppe zu stürzen, war die Kulmination einer Saison mit emotionalen Höhen und Tiefen auf und abseits des Rades (und fällt unter mein Verständnis von Tragik).

    3. Geraint Thomas: Gerade als er in Form kam, war es auch schon wieder vorbei. Ein weiterer Fahrer, der hadern wird, was hätte sein können-

    4. Egan Bernal: Sein Dauphiné-Sturz brachte die Tour-Titelverteidigung früh aus dem Ruder.

    5. Fabio Aru: Würde ebenfalls unter die Enttäuschungen passen, aber wie er bei der Tour hinter dem Peloton her fuhr, hat er mir leid getan. Verletzungen haben seine letzten Saisonen zerstört.


    Rivalität des Jahres:


    Mathieu van der Poel vs. Wout van Aert: Die Rivalität aus dem Cyclocross ist auf die Straße herübergeschwappt. Gent-Wevelgem und die Ronde machen Lust auf mehr.


    Beste Transfers:


    1. Sam Bennett zu Quickstep: War zwar vorhersehbar, aber Bennett hat sich bei Quickstep super eingefügt und viele Siege gefeiert.

    2. Guillaume Martin zu Cofidis: Ein spannender Fahrer, der einem schwächelnden Team viel benötigte Aufmerksamkeit brachte

    3. Enric Mas zu Movistar: Der einzige Lichtblick in einer sehr schlechte Saison, er hat meine Erwartungen bei der Tour übertroffen.

    4. Lennard Kämna zu Bora: Ein starker deutscher Bergfahrer zu einem deutschen Team. Besser geht's nicht.

    5. Richard Carapaz zu Ineos: Bewies, dass er selbst bei Ineos zu den stärksten GC-Fahrern gehört


    Beste Rennen:


    1. Giro d'Italia: Eine tolle, abwechslungsreiche GT mit einer super Schlusswoche.

    2. Ronde van Vlaanderen: Bis zum letzten Moment ein spannender Klassiker und 2 großen Protagonisten.

    3. Tour de France: Eine der besten Tours in Jahren mit einem unglaublichen Ende.


    Überraschungssieger des Jahres:


    1. Tao Geoghegan Hart: Giro d'Italia

    2. Daniel Felipe Martinez: Dauphiné

    3. Maximilian Schachmann: Paris-Nizza


    Beste deutschsprachige Fahrer:


    1. Marc Hirschi

    2. Maximilian Schachmann: Ein klasse Paris-Nizza Sieg und starke Leistungen bei Strade Bianche, in der Algarve und Il Lombardia. Der Schlüsselbeinbruch hat ihn bei der Tour vlt. einen Etappensieg gekostet.

    3. Pascal Ackermann: Er hat sich in der Weltspitz etabliert und hatte eine gute, wenn nicht sehr gute, Saison.


    Feelgood-Moment des Jahres:


    Der 3. Platz von Richie Porte bei der Tour. Nach all den Jahren hat es mich einfach gefreut, dass er eine GT stark zu Ende gebracht hat.

  • TS2019

    Hat das Thema freigeschaltet