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[RSM 2011] Happier

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Strandkorb

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Freitag, 24. Juni 2011, 21:12

Happier

Meine neue Story. Freue mich auf viele Leser. Mitarbeit ist generell auch erwünscht, bietet sich zu Beginn aber vermutlich nur bedingt an.

Radsportmanager 2011
Patch 1.0.4.4
Datenbank: RSM-News-Datenbank (V1.1) + Strandkorbs Wertedatenbank (V1.3)
Attributentwicklung: 0,3
Schwierigkeit: Normal & Normal

Charakterzüge, Aussagen, Meinungen von Fahrern und ebenfalls sonstige Entwicklungen haben keinerlei Bezug zur Realität.

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Auszeichnungen:



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Best of Comments:

Eine typische Strandkorb Story ... klasse wie immer. [TDK]
wow deine managerstory ist einfach genial o.0 [frunsi]
Wow. du bist wohl der einzige, der für eine wildcard-vergabe 618 wörter benötigt und dabei den leser nicht mal langweilt! *THUMBS UP* [frunsi]
Meine Güte, wenn irgendjemand im Forum behauptet, deine Managerstory wäre nicht die beste hier, hat er das Wort "Story" falsch verstanden! [Spoonslayer]
Traumhaft wie du auch die Rennberichte perfekt in eine Geschichte verpackst. *THUMBS UP* [zuggi68]
richtig genial geschrieben *THUMBS UP* [bastischerrers]
Es gibt keine langweiligen Stellen und macht immer spaß. [Skylocke]
Du kannst dir nicht vorstellen, wie ich auf der letzten Etappe mitgefiebert habe! Das ist einfach ganz große Klasse, was du hier machst! [Spoonslayer]

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Dieser Beitrag wurde bereits 17 mal editiert, zuletzt von »Strandkorb« (27. September 2011, 18:31)


Strandkorb

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Freitag, 24. Juni 2011, 21:12

Re: Happier

Es war der 29.09.2010. Es war heiß, es war sonnig und ich schwitzte wie ein Verrückter am Steuer meines Mietwagens. Die Asphaltwüste von Geelong schien die Sonne wahrhaftig zu absorbieren und darüber hinaus war gerade eben die Klimaanlage ausgefallen.
Ich wollte nur noch weg. Weg aus dem Käfig und zurück in das kühle Hotel. Die U23-Zeitfahrweltmeisterschaften waren gerade erst zu Ende gegangen und statt mich danach an einem der zahlreichen Getränkestände abzukühlen, war ich sofort aufgebrochen. Warum hatte ich nicht gewartet? Die wichtigen Rennen der Weltmeisterschaften standen noch aus und ich befand mich bereits auf dem Weg zum Flughafen, um die Heimreise nach Europa anzutreten. Das Flugzeug würde in zwei Stunden starten. Der Verkehr war dicht und ein Stau wahrscheinlich. Vermutlich könnte ich sowieso nicht mehr rechtzeitig am Flughafen ankommen. Das nächste Flugzeug ging aber erst am kommenden Tag und das war eigentlich schon zu spät. Ich schaltete in den fünften Gang. Ich musste es einfach rechtzeitig schaffen!
Doch je schneller ich fuhr, desto sinnloser erschien mir mein Vorhaben. Was tat ich überhaupt hier? Und warum? Unweigerlich musste ich an den Moment denken, mit dem die ganze Sache vor Wochen angefangen hatte...

Ich befand mich auf Geschäftsreise in den Niederlanden. Eine ganz normale Tagung in Amsterdam stand an. Doch schon bevor ich die Landeshauptstadt erreichte, sollte sich alles in eine ganz andere Richtung entwickeln. Der Verkehr war dicht und urplötzlich ging es überhaupt nicht mehr vorwärts. Kurz vor Utrecht war es zum absoluten Stillstand gekommen. Es war frustrierend. Ich sagte das Meeting ab, denn an ein Weiterfahren war nicht zu denken. Irgendwo etliche Kilometer voraus war ein Lastkraftwagen verunfallt.
Das Warten machte mich verrückt. Ich entschloss mich, das Auto zu verlassen und ein bisschen auf der Autobahn umherzuwandern. Aber auch das half nichts. Folglich setzte ich mich wieder.
Irgendetwas brauchte ich, um mich abzulenken. Mir fiel ein, dass heute eine weitere Etappe der Polenrundfahrt anstand. Nun nicht das Radsportrennen, dass mich am meisten interessierte, aber in meiner aktuellen Situation besser als gar nichts. Ich öffnete die Tür, machte es mir bequem und startete den Onlinestream über mein Handy. Immerhin, er lief überraschend flüssig. Bis ins Ziel waren es nur noch zehn Kilometer.
Plötzlich ertönte hinter mir eine Stimme:

"Excuse me. Is that Tour de Pologne?"

Ich erschrak. Hinter mir stand plötzlich ein Mann und lugte über meine Schulter auf den kleinen Handybildschirm. Er fragte mich, ob er wohl mit schauen könnte. Mir war inzwischen sowieso alles egal. Ich empfand das Rennen als sterbenslangweilig.

"This will be a sprint, for sure."
"Really? I do not know. I haven’t had the time to look at the profile. Is it a flat finish?"
"Oh, it's not that flat. The last meters are rising."
"Okay. Could be something for Simon. Thank you."

Diese Antwort verwirrte mich etwas. Wen meinte der Mann mit Simon? Von hinten trat ein weiterer Mann dazu, tauschte kurz Blicke mit dem anderen aus und nun verstand ich.

Strandkorb

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Samstag, 25. Juni 2011, 12:21

Re: Happier

Der lockige Mann sah genauso aus wie Kenny Van Hummel vom Skil - Shimano-Radsportteam. Und er sah nicht nur so aus, er war es sogar, wie er mir auf Nachfrage bestätigte. Van Hummel schien genauso wenig informiert über die Rundfahrt wie sein Teamkollege, den ich inzwischen als Piet Rooijakkers identifiziert hatte. Die beiden Radsportprofis waren offensichtlich genauso in den Stau geraten wie ich und plötzlich ergab alles einen Sinn.
Das Rennen war inzwischen auf den finalen Kilometern angekommen. Vor allem Rooijakkers feuerte seinen Teamkollegen lautstark an und zog damit die Blicke einiger Umstehender auf sich.

"Go Simon, go Simon!"

Doch Geschke war nicht schnell genug und landete nur auf dem vierten Platz hinter Lorenzetto, Bole und Ballan. Rooijakkers fluchte.

"Holy Crap. Whats up with these guys? They are much too fast!"

Das Rennen war gelaufen, aber der Stau löste sich immer noch nicht auf. Ich war froh, zwei Menschen gefunden zu haben, mit denen man über den Radsport sprechen konnte. Wir unterhielten uns über die Tour, die kommenden Rennen und noch einiges andere. Van Hummel und Rooijakkers waren überrascht von meinem Sachverstand und ich war ehrlich gesagt ebenfalls überrascht, dass ich mich in vielen Bereichen besser als die beiden auszukennen schien.
Die Zeit verstrich und bald war es abends. Irgendwann fragte mich Van Hummel nach meinem Beruf. Ich erzählte ihm von meiner Arbeit in Dortmund, den vielen Reisen und es stellte sich heraus, dass Van Hummel sogar recht gut deutsch sprechen konnte. Bei Rooijakkers reichte es nur für einige Ansätze.
Und dann, tja, dann rutschte es mir einfach heraus.

"Und, wie sieht es für die nächste Saison bei euch im Team aus?"

Ich weiß nicht, warum ich es fragte und ich weiß auch nicht, ob ich es im Nachhinein bereue. In jedem Fall beantwortete Van Hummel meine Frage sofort, was zeigte, dass er anscheinend schon ein bisschen Vertrauen zu mir aufgebaut hatte.

"Ich will ehrlich sein: Poelman ist ein bisschen müde von seiner Arbeit. Er will seinen Posten wohl niederlegen. Aber er wird es erst am Ende der Saison bekanntgeben, damit jetzt keine Unruhe entsteht. Nicht einmal im Team wissen es alle. Folglich wird der Posten des Teammanagers frei. Die Sponsoren wollen einen frischen Mann verpflichten, der über viel Fachwissen verfügt. Wenn ich darüber nachdenken, dann könnten Sie durchaus jemand für diese Aufgabe brauchen. Nach dem Bild zu urteilen, dass Sie uns gegenüber abgegeben haben. Ich habe ein paar Kontakte und könnte Ihnen sicherlich einen Vorstellungstermin verschaffen, wenn Sie denn Interesse hätten. Leute wie Sie braucht der Radsport."
"Waaas?"

Es war mir einfach herausgerutscht. Obwohl ich nicht einmal einzuschätzen vermochte, wie weit das Angebot von Van Hummel ging, war ich einen Moment völlig abwesend.
Ich meine, versteht mich nicht falsch: Die Arbeit, die ich bis zu diesem Zeitpunkt verrichtet hatte, hatte mir stets Spaß bereitet. Aber zum Radsportzirkus dazugehören? Ein Teil von einem Profiteam zu sein? Das war immer mein Traum gewesen.

Ich hatte es schon als Fahrer versucht. Erfolglos. Ich hatte einfach nicht die Veranlagung zum Profisportler, zu klein, auch zu faul. Schon in meiner Jugend realisierte ich, dass es keinen Sinn hatte, den Traum weiter zu träumen und konzentrierte mich voll auf die Schule und später das Studium. Dennoch gab es, vor allem während der Tour de France, immer Momente, in denen ich bedauerte, dass ich so schnell aufgegeben hatte.
Und nun fragte mich einer, der es geschafft hatte, einer, der außerdem selbst schon viele Erfolge eingefahren hatte, ob ich nicht sein Manager sein wolle. Ihm Anweisungen in den Rennen geben wolle. Es war einfach zu schön um wahr zu sein.

"Ist das Ihr Ernst?"
"Sehe ich so aus, als ob ich spaßen würde? Natürlich meine ich es ernst."

Ich hatte es geschafft. Obwohl noch nichts fest, nichts unterschrieben war, spürte ich das ganz deutlich!

frunsi

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Samstag, 25. Juni 2011, 13:24

Re: Happier

sehr schön zum lesen, sehr gute einleitung ;)
gefällt mir *THUMBS UP*
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Samstag, 25. Juni 2011, 13:30

Re: Happier

Yeah, endlich mal wieder eine Story von Srandkorb :)

soerenrudi

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Samstag, 25. Juni 2011, 15:20

Re: Happier

Toll das du mal wieder was schreibst. Fehlt nur noch Andy und die alten Schreiber sind wieder zurück. :lol:
"Als Profi(fan) kann ich zwischen Nationalmannschaft und Verein trennen."

"Man muss nur wissen wann Patriotismus aufhört und Fanatismus anfängt!"

"80 % der Bürger der BRD glauben an einen Rechtsstaat, die anderen 20 % hatten schon damit zu tun"

Strandkorb

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Samstag, 25. Juni 2011, 17:38

Re: Happier

Nur einige Tage später bekam ich dann tatsächlich einen Anruf von Kenny Van Hummel. Iwan Spekenbrink, der oberste Chef im Team, wollte mich gerne sprechen. Ich notierte mir Datum und Uhrzeit. Angesetzt war das Treffen für einen Mittwochmorgen, ausgerechnet in Amsterdam. Wenn das mal gut gehen würde.

Um kein weiteres Risiko einzugehen, startete ich schon früh morgens in Dortmund. Es war schon etwas hell, die Sonne war aber noch nicht aufgegangen. Die Autobahnen waren wie leergefegt, sodass ich Amsterdam schon um acht Uhr erreichte, drei Stunden vor dem vereinbarten Zeitpunkt. Müde war ich immer noch, aber an schlafen war nicht zu denken, denn dafür war ich viel zu aufgeregt. Die kommenden Stunden konnten mein Leben verändern. Vielleicht für immer.
Ich setzte mich in ein Café und bestellte mir erst einmal einen Cappuccino. Die Tasse war angenehm warm und das Kaffeegetränk weckte meine Sinne.

Um zehn Uhr verließ ich das Café wieder. Als ich aus der Tür trat, bemerkte ich erst, dass es für die Jahreszeit ausgesprochen frisch war. Wolken verdeckten die Sonne und es wehte eine kräftige Brise, sodass es mich fröstelte. Ich beeilte mich, um die von Van Hummel angegebenen Adresse möglichst schnell zu erreichen.
Als ich angekommen war, stand ich vor einem kleinen Hochhaus mit vier Stockwerken. Die Eingangstür war geöffnet, weshalb es auch im Flur des Hauses kalt war. Etwas zittrig suchte ich auf einem Plan mein Ziel und fand es im ersten Stockwerk: Skil - Shimano professional cycling team. Ich entschied mich für die Treppe und gegen den Fahrstuhl. Ein bisschen Bewegung konnte mir nur gut tun.
Oben angekommen betrat ich ein leeres Wartezimmer. Einige Zeitschriften waren hier zu finden. Radsportzeitschriften, aber auch andere. Ich griff nach dem 'Tour Magazin', das glücklicherweise sowohl in der niederländischen, als auch in der deutschen Ausgabe zu finden war und begann zu warten.
Aber die Zeit wollte einfach nicht vergehen. Alle paar Minuten schielte ich auf meine Uhr. Noch dreißig Minuten, noch fünfundzwanzig Minuten, noch dreiundzwanzig Minuten. Bald schon legte ich die Zeitschrift wieder weg, ich konnte mich sowieso nicht mehr ablenken.
Nach einer halben Stunde, die mir gefühlt deutlich länger vorkam, war es dann endlich so weit. Eine Kirchturmuhr irgendwo in der Nähe läutete elf Uhr. Doch von Iwan Spekenbrink war nichts zu sehen. Ich versuchte mich in Geduld zu üben, auch wenn es mir enorm schwer fiel. Doch Spekenbrink ließ noch länger auf sich warten. Viertel nach elf, zwanzig nach elf. Hatte man mich vergessen? Oder hatte ich mir gar alles nur eingebildet?

Strandkorb

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Samstag, 25. Juni 2011, 21:00

Re: Happier

Dann öffnete sich endlich eine Tür. Sich noch unterhaltend traten zwei Männer auf den Flur. Sie sprachen schnelles niederländisch, vom dem ich wenig verstehen konnte. Der eine Mann trat ins Treppenhaus und der andere wandte sich mir zu. Es war Iwan Spekenbrink, der mich gleich auf Deutsch begrüßte und in sein Büro bat. Dort angekommen entschuldigte sich Spekenbrink für die Verspätung.

"Entschuldigung. Normalerweise halte ich mich an meine Termine. Aber das Gespräch ließ sich leider nicht abbrechen."

Spekenbrink machte auf mich vom ersten Moment an einen sehr sympathischen Eindruck. Trotz sehr förmlicher Kleidung brachte er es fertig, nicht kühl und distanziert zu wirken.
Ich hatte natürlich mit einer Art Bewerbungsgespräch gerechnet. Mit Fragen nach bisherigen Leistungen, Fähigkeiten und Auszeichnungen. Aber dazu kam es nicht. Spekenbrink interessierte sich dafür gar nicht wirklich. Anscheinend hatte Van Hummel ordentlich Überzeugungsarbeit geleistet.

"Kenny hat mir nur Gutes über Sie berichtet. Übrigens, darf ich du sagen?"
"Natürlich. So alt bin ich schließlich noch nicht."
"Also, selbst wenn du nur halb so viel Sachverstand hättest, wie er meinte, dann wäre das schon mehr als ausreichend. Auch auf mich machst du einen guten Eindruck. Wenn du willst, dann hast du den Job!"

Plötzlich streckte er mir die Hand entgegen. Ich ergriff sie. So einfach hatte ich mir die ganze Angelegenheit natürlich nicht vorgestellt. Vertragsdetails sollte ich später mit dem Anwalt der Firma klären, meinte Spekenbrink.
Stattdessen wollte er viel lieber über das Team sprechen. Er legte mir die aktuellen Verträge für die kommende Saison vor. Elf Fahrer waren auch für das kommende Jahr gebunden, darunter Kenny Van Hummel.

Robin Chaigneau (Ned)
Roy Curvers (Ned)
Bert De Backer (Bel)
Koen De Kort (Ned)
Mitchell Docker (Aus)
Yukihiro Doi (Jpn)
Han Feng (Chn)
Thierry Hupond (Fra)
Cheng Ji (Chn)
Albert Timmer (Ned)
Kenny Van Hummel (Ned)

Von den dreizehn verbleibenden Fahrern hatte nach Teaminformationen noch keiner bei einer anderen Mannschaft unterschrieben. Spekenbrink riet mir, mich bald mit den für mich interessanten Fahrern zu treffen und auch möglichst bald mit möglichen Neuverpflichtungen zu sprechen. Das Teambudget sei natürlich nicht so hoch wie bei den großen Teams, je nach Fahrer könne man aber bestimmt noch mit der Teamleitung eine Erhöhung des Budgets aushandeln.

"Sollte es da einen bestimmten Fahrer geben, den du unbedingt haben willst, dann sag es mir. Ich schaue dann, ob man da etwas machen kann. Einen Verhandlungsspielraum gibt es immer."

Das klang schon einmal sehr positiv.
Spekenbrink führte mich in die Grundlagen des Geschäftes ein. Er versprach, allen Fahrern und Mitarbeitern des Teams noch am selben Tag eine E-Mail zu schreiben, um mich vorzustellen und mir eine Liste mit Telefonnummern und Adressen zu schicken. Im Anschluss diskutierten wir noch eine ganze Zeit lang über den Radsport, bis Spekenbrink um dreizehn Uhr seinen nächsten Termin hatte. Mit einem Handschlag verabschiedete er mich und meinte, er würde sich bald wieder bei mir melden!

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Strandkorb« (10. August 2011, 17:03)


Andi91

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Sonntag, 26. Juni 2011, 01:31

Re: Happier

Alles super außer diese Stelle:

Zitat



"Kenny hat mir nur Gutes über Sie berichtet. Übrigens, darf ich du sagen?"
"Natürlich. So alt bin ich schließlich noch nicht."
"Also, selbst wenn du nur halb so viel Sachverstand hättest, wie er meinte, dann wäre das schon mehr als ausreichend. Auch auf mich machst du einen guten Eindruck. Wenn du willst, dann hast du den Job!"



Das ist irgendwie zu plump und einfach aber ok, so ein Gespräch nachzuahmen ist natürlich schwer. ;)

Weiter so!

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Joker

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Sonntag, 26. Juni 2011, 16:18

Re: Happier

Wie immer, top Leistung von dir. Viel Spaß und Erfolg weiterhin! :)
Eintracht Frankfurt


Strandkorb

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Sonntag, 26. Juni 2011, 20:26

Re: Happier

Die kommenden Tage musste ich mich erst einmal mit einigen formellen Angelegenheiten herumschlagen. Die Kündigung meiner bisherigen Arbeit musste eingereicht und der Vertrag bei Skil – Shimano unterschrieben werden. Glücklicherweise hatte keiner vor, mir Steine in den Weg zu legen. Meine alten Kollegen wünschten mir Glück und beschlossen gar, eine kleine Abschiedsfeier für mich zu organisieren. Das machte es für mich deutlich leichter, den Übergang in meinen neuen Lebensabschnitt zu bewältigen.

Im Anschluss begann ich damit, Kontakt zu den Fahrern aufzunehmen. Ich bin kein Psychologe und ehrlich gesagt habe ich auch keine Ahnung, wie man so eine Sache aus wissenschaftlicher Sicht angehen sollte. Ich war aber der Ansicht, dass ein persönliches Kennenlernen der erste Schritt auf dem Weg zu einer erfolgreichen Zusammenarbeit sein musste.
Ursprünglich hatte ich geplant, die Fahrer zu mir nach Dortmund einzuladen, was sich aber nach genauerer Betrachtung als Schnapsidee herausstellte. Zum einen, weil viele Fahrer voll im Training oder teilweise im Renngeschehen steckten. Und außerdem, weil meine Wohnung sowieso keinen geeigneten Raum für ein berufliches Gespräch abgab. Sie war einfach zu klein, zu unordentlich und zu karg ausgestaltet. Ich hatte dies eigentlich ändern wollen; nun aber, da ich wohl sowieso in die Niederlanden umziehen würde, sah ich dafür keinen Grund mehr.

Die größte Notwendigkeit für Gespräche sah ich bei den Fahrern, die noch keinen Vertrag für die kommende Saison unterschrieben hatten. Sechs Fahrer hatte ich mir notiert, denen ich ein Angebot für eine Vertragsverlängerung unterbreiten wollte: Die beiden Deutschen Robert Wagner und Simon Geschke, den Belgier Dominique Cornu, die Franzosen Alexandre Geniez und Yann Huguet und den Niederländer Tom Veelers.
Aus Gründen der besseren Verständigung versuchte ich zuerst bei den beiden Deutschen mein Glück. Robert Wagner hatte sich den Morgen des zwölften August freigenommen, um mich zu treffen. Ich erläuterte ihm ausführlich mein Konzept, die Rolle, die er darin spielen würde, und ging auch auf mögliche Ziele ein. Wagner sagte lange kein Wort, um mir dann nach geschlagenen zwei Stunden mitzuteilen.

„Klingt echt nicht schlecht. Aber ich habe schon bei einem anderen Team unterschrieben.“

Das fing ja gleich gut an…

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Montag, 27. Juni 2011, 19:54

Re: Happier

Am nächsten Tag fuhr ich nach Berlin, um Simon Geschke von einer Vertragsverlängerung zu überzeugen. Wir trafen uns in einem Café nahe dem Alexanderplatz. Natürlich wollte ich nicht wieder denselben Fehler wie bei Robert Wagner begehen.

„Du hast noch bei keinem anderen Team unterschrieben, oder?“
„Natürlich nicht, nein. Sonst wäre dieses Gespräch wohl ziemlich sinnlos.“
„Man weiß ja nie. Es soll Fahrer geben, die einem trotzdem seine Zeit rauben.“
„Ach, ehrlich? Das kann ich mir ja überhaupt nicht vorstellen.“

Nachdem das geklärt war, begann ich, genau wie bei Robert Wagner, meine Planungen zu erläutern. Geschke hörte interessiert zu und stellte immer wieder Zwischenfragen. Nach drei Stunden war es dann so weit, ich hatte Geschke schlussendlich überzeugen können.

„Klingt echt klasse. Vor allem finde ich es toll, dass ich nächstes Jahr endlich nicht mehr der einzige Deutsche sein werde. Unter den ganzen Niederländern kann das auf die Dauer ganz schön anstrengend sein.“
„Ja? Diejenigen, mit denen ich bisher gesprochen habe, waren eigentlich in Ordnung.“
„Dann warten Sie mal, bis einer von denen was gewinnt. Dann geht’s rund…“
„Ich lasse mich überraschen. Also, kann ich auf dich zählen.“
„Aber sicher!“

Mit einem kräftigen Handschlag verabschiedeten wir uns auf bald.

Auf dem Rückweg nach Dortmund klingelte mein Telefon. Iwan Spekenbrink.

„Hör mal. Ich habe gerade mit Marloes Poelman gesprochen. Er hat vorgeschlagen, dass du bei der Enecotour im Teamwagen mitfahren könntest. Das würde dir die Möglichkeit geben, alle wichtigen Dinge direkt im Rennen kennenzulernen. Was meinst du?“
„Klingt toll. Freue mich!“
„Klasse. Ich gebe es weiter. Bis demnächst!“

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Montag, 27. Juni 2011, 21:11

Re: Happier

so einen wie wagner möcht ich nicht in meinem team... :x
so ein idiot

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Dienstag, 28. Juni 2011, 20:32

Re: Happier

Vor dem Beginn der Enecotour machte ich noch einen Abstecher nach Frankreich, um bei Yann Huguet und Alexandre Geniez vorbeizuschauen. Vor allem letzterer spielte in meinem Konzept eine entscheidende Rolle. Starke Kletterer sind bekanntlich rar, vor allem in niederländischen Teams. Deshalb musste ich ihn unbedingt halten.
Doch die Verhandlungen mit dem großen Talent erwiesen sich als ausgesprochen kompliziert. Er wirkte etwas müde. Nein, nicht nur etwas, er wirkte völlig übermüdet. Ständig musste ich Sätze wiederholen, weil Geniez sie im Halbschlaf nicht mitbekommen hatte. Das machte es auch für mich sehr anstrengend. Irgendwann wurde es mir einfach zu viel.

„Was ist denn mit dir los?“
„Ach, ich weiß nicht. Wenig und schlecht geschlafen. Die Saison bislang und insbesondere die letzten Tage waren wirklich anstrengend.“

So wirklich verwunderlich war das nicht. Geniez war immerhin als Neo-Profi in die Saison gestartet und musste sich erst einmal an die neue Belastung gewöhnen. Das würde sicherlich noch etwas Zeit in Anspruch nehmen. Er tat mir in diesem Zustand echt ein bisschen leid.

„Weißt du was? Ich spreche mal mit Marloes. Vielleicht kann er dein Restprogramm ein bisschen entspannter gestalten.“
„Ach, das müssen Sie wirklich nicht…“
„Doch, das muss sein. Man darf es nicht übertreiben, vor allem nicht in der ersten Profisaison.“
„Danke.“
„Und wegen der kommenden Saison: Am besten entspannst du dich erst einmal ein bisschen und tätigst deine Entscheidung dann in aller Ruhe. Meine Planung kennst du ja jetzt und wenn irgendetwas unklar ist, dann kannst du mich anrufen.“
„Danke, Chef.“

Dann machte ich mich wieder auf den Weg.

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Mittwoch, 29. Juni 2011, 21:02

Re: Happier

Noch am selben Tag hatte ich Huguet treffen wollen, doch es war schon nach Mittag und ich musste mich wirklich beeilen. Vor allem bei den niedrigen Tempolimits der französischen Autobahnen. Ich fuhr die ganze Zeit über an der absoluten Obergrenze und erreichte um 16 Uhr Huguets Heimatort Lesparre. Allerdings hatte ich etwas Schwierigkeiten, die Adresse zu finden. Nachfragen war nicht möglich, weil niemand zu sehen war und ich sowieso nicht wusste, wo ich suchen wollte. Da, wo die gesuchte Straße hätte sein sollen, war einfach nichts.
Ich nahm es mit Galgenhumor: Zu spät war ich sowieso schon, da kam es auf einige Minuten mehr oder weniger auch nicht mehr an. Ich suchte die ganze Stadt nach der ominösen Straße ab und fand sie schließlich – fast genau am anderen Ende. Dies war der Moment, in dem ich einsehen musste, dass man sich auf Googlemaps doch nur begrenzt verlassen kann.

Endlich angekommen klingelte ich an der Tür. Doch niemand öffnete mir. Ich versuchte es wieder und wieder, aber nichts passierte. Frustriert überlegte ich schon, ob es das Beste wäre, direkt wieder aufzubrechen. Ich überlegte es mir aber anders und beschloss, noch ein bisschen zu warten. Ich war ja schließlich auch zu spät. Vielleicht war Huguet einfach noch etwas erledigen gegangen, weil ich nicht kam?
Ich wurde für meine Ausdauer belohnt. Fast eine Stunde später bog ein Fahrradfahrer in die Straße ein und machte direkt vor dem entsprechenden Haus Halt. Ich sprang sofort aus meinem Wagen, woraufhin sich der Radfahrer umblickte. Es war Yann Huguet.

„Sie sind schon hier? Wie spät ist es denn?“
„Kurz nach fünf Uhr glaube ich…“
„Oh je, da habe ich die Zeit ja wieder einmal voll aus den Augen verloren. Warten Sie schon lange?“
„Ich glaube knapp eine Stunde.“
„Tut mir echt leid. Ich denke immer, ich wäre schneller, als ich es eigentlich bin.“

Dann bat mich Huguet ins Haus.
Die Möbel wirkten ziemlich alt, machten aber gleichzeitig eine sehr freundlichen Eindruck. Wir nahmen an einem Tisch Platz, der jeden Moment zusammenzufallen drohte. Zumindest kam es mir so vor.
Der Tisch fiel aber nicht und so konnte ich auch Huguet mein Konzept erläutern. Kaum hatte ich meine Ausführungen beendet, explodierte der Vulkan.

„Très bon! Tolles Konzept! Nächstes Jahr werden wir endlich alle anderen Teams hinter uns lassen.“
„Nun ja, Yann, dafür wird es wohl nicht reichen…“
„Nun seien Sie nicht so bescheiden. Wir werden es allen zeigen. Ich meine, überlegen Sie doch mal: Ich bin ein echter Champion und ich werde nur Wasserträger sein. Was müssen denn dann die anderen drauf haben?“
„Also bist du dabei?“
„Aber natürlich!“

Huguet kriegte sich einfach nicht mehr ein. Er philosophierte wie wild über tolle Erfolge im kommenden Jahr. Ich war nur noch darauf bedacht, möglichst schnell wegzukommen. Es war inzwischen schon früher Abend geworden und ich musste mir noch irgendwo ein Hotel suchen.
Huguet öffnete eine Flasche Sekt, um anzustoßen, aber ich war nicht auf Feiern aus und verabschiedete mich rasch. Schließlich hatte ich noch nichts erreicht.

frunsi

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Donnerstag, 30. Juni 2011, 17:38

Re: Happier

Zitat

Ich suchte die ganze Stadt nach der ominösen Stadt ab


tja :lol:

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Donnerstag, 30. Juni 2011, 18:40

Re: Happier

Dann war es endlich so weit: Am 17. August startete die Enecotour. Früher war sie unter dem Namen Benelux-Rundfahrt ausgetragen worden, was sich auf die drei durchfahrenen Länder zurückführen ließ. Doch auch in den BeNeLux-Staaten braucht man Sponsoren und benannte deshalb die Rundfahrt nach dem gut zahlenden niederländischen Energiekonzern Eneco.
Ein Prolog über fünf Kilometer stand zum Auftakt auf dem Etappenplan. Rund um Steenwijk erwartete man einen spannenden Kampf der Spezialisten, die sehr zahlreich gemeldet hatten. Fabian Cancellara fehlte zwar, aber dafür hatten sich Tony Martin, Richie Porte und Lars Boom angekündigt. Das Skil – Shimano-Team hoffte in erster Linie auf den Belgier Cornu. Eigentlich hätte ich dies natürlich auch tun sollen, aber ich hatte mit Cornu noch Vertragsverhandlungen für die kommende Saison geplant und da wäre ein tolles Ergebnis natürlich keine besonders erfolgsversprechende Grundlage gewesen.

In der Teambesprechung vor dem Start des Prologs wurde ich von den Fahrern ausgesprochen freundlich begrüßt. Dann ging man aber rasch zum Alltag zurück und präparierte sich für das Rennen. Deutlich vor dem Start ging es ans Einfahren, wie man das eben auch aus dem Fernsehen kennt. Ich hatte das Glück, den ganzen Tag über bei Poelman im Teamwagen mitfahren zu dürfen, was sich als sehr lehrreich herausstellte. Ich bewunderte, wie ruhig Poelman selbst in kniffligen Situationen blieb.

„Sag mal, wie machst du das eigentlich, die ganze Zeit so cool zu bleiben?“
„Alles Übung.“
„Na dann…“

Wenn man so will wurde meine Hoffnung auf ein eher schwaches Abschneiden Cornus im Prolog erfüllt: Am Ende des Tages musste man bis zu Platz 17 hinabschauen, um seinen Namen im Tableau zu lesen. Unglücklicherweise war er damit aber sogar noch der stärkste Skil – Shimano-Profi. Poelman konnte aber auch das nicht aus der Ruhe bringen.

„Daran wirst du dich gewöhnen müssen. Manchmal verlierst du und manchmal gewinnen die anderen. Was soll man tun?“

Seine Gelassenheit war bewundernswert. Auf der anderen Seite war aber auch spürbar, dass das Feuer in seinem Radsportherzen längst erloschen war. Es wäre ihm vermutlich auch egal gewesen, wenn Cornu auf das Podest gefahren wäre.

Diese Vermutung bestätigte sich wenig später, als ich mich mit Tom Veelers bezüglich der kommenden Saison unterhielt.

„Um ehrlich zu sein: Ich wäre gewechselt, wenn Poelman Teamchef geblieben wäre. Es fehlt völlig an einer klaren Linie im Team. Alles ist viel zu locker und in meinen Augen ist das der Grund, warum wir nicht so erfolgreich sind, wie wir es sein könnten.“
„Du bist der Ansicht, dass viele der Fahrer deutlich mehr leisten könnten?“
„Auf jeden Fall. Alexandre Geniez zum Beispiel ist ein Riesentalent und macht daraus viel zu wenig. Ich denke, Sie werden uns im kommenden Jahr zu deutlich mehr Erfolgen treiben können.“
„Also kann ich auf dich zählen?“
„Aber sicher. Ich möchte das neue Skil – Shimano-Zeitalter auf keinen Fall verpassen.“

Damit stand nur noch hinter Dominique Cornu ein Fragezeichen.

TDK

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Donnerstag, 30. Juni 2011, 20:18

Re: Happier

Schön, gefällt mir gut bis jetzt. Skil ist auch ein recht sympathisches Team. Bin ja gespannt wen du noch neues für die Saison verpflichtest ... oder nimmst du das original Team?

Freddybeddy

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Donnerstag, 30. Juni 2011, 21:50

Re: Happier

Zitat von »"Strandkorb"«

Am nächsten Tag fuhr ich nach Berlin, um Simon Geschke von einer Vertragsverlängerung zu überzeugen. Wir trafen uns in einem Café nahe dem Alexanderplatz. Natürlich wollte ich nicht wieder denselben Fehler wie bei Robert Wagner begehen.

„Du hast noch bei keinem anderen Team unterschrieben, oder?“
„Natürlich nicht, nein. Sonst wäre dieses Gespräch wohl ziemlich sinnlos.“
„Man weiß ja nie. Es soll Fahrer geben, die einem trotzdem seine Zeit rauben.“
„Ach, ehrlich? Das kann ich mir ja überhaupt nicht vorstellen.“




Ach, ehrlich? Das kann ich mir ja überhaupt nicht vorstellen. :lol: :lol: :lol:
Hört sich an als hätte man ihn ertappt^^

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Freddybeddy

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Donnerstag, 30. Juni 2011, 21:52

Re: Happier

Zitat

„Daran wirst du dich gewöhnen müssen. Manchmal verlierst du und manchmal gewinnen die anderen. Was soll man tun?“


also gewinnt man nie :D

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